Belgien steht auf 207. von 217 in unserer Weltrangliste, mit einem FiScore von 3,3 von 10. Auf Arbeit ist es eines der am schwersten besteuerten Länder der Welt: der Tarif reicht von 25 % bis 50 %, dazu kommen hohe Sozialabgaben und 21 % Mehrwertsteuer.
Und doch war Belgien jahrzehntelang das Land, in das man ging, um ein Unternehmen zu verkaufen. Dieser Satz gilt seit dem 1. Januar 2026 nicht mehr in derselben Form.
Was sich geändert hat
Belgien besteuerte private Kursgewinne nicht, wenn sie zur normalen Verwaltung des Privatvermögens gehörten. Seit dem 1. Januar 2026 gibt es eine allgemeine Abgabe:
| Satz | 10 % |
| Betroffen | Aktien, Fonds und ETFs, Krypto, Anleihen |
| Jährlicher Freibetrag | 10.000 € |
| Wesentliche Beteiligungen | eigene, gestaffelte Regeln |
Zehn Prozent, nach einem Freibetrag von zehntausend Euro pro Jahr. Für einen belgischen Anleger ist das das Ende einer Ausnahme.
Warum sich das je nach Herkunft völlig anders liest
Hier ist der Teil, den kein belgischer Artikel schreibt, weil er für Belgier schreibt.
- Für einen Belgier: eine neue Steuer, wo es keine gab.
- Für einen Deutschen: Kursgewinne werden in Deutschland mit 25 % Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag, also rund 26,4 %, belastet, ohne allgemeinen Freibetrag jenseits des kleinen Sparer-Pauschbetrags. Zehn Prozent mit 10.000 Euro Freibetrag sind für ihn eine deutliche Verbesserung.
- Für einen Franzosen: 30 % pauschal zu Hause, also dieselbe Rechnung wie für den Deutschen.
Die belgische Neuigkeit ist also gleichzeitig eine schlechte Nachricht für Ansässige und ein noch brauchbares Angebot für Zuziehende. Beides ist wahr, und die Zeitungen berichten nur das erste.
Was Belgien behält
- Keine Vermögensteuer.
- Erbschaftsteuern, die je nach Region stark auseinandergehen, in direkter Linie deutlich milder in Flandern und Brüssel als in Wallonien.
- Ein Regime für zugezogene Fachkräfte und Forscher, unter dem ein Teil der Vergütung als Kostenersatz behandelt wird und außerhalb der Bemessungsgrundlage bleibt.
Für wen es nicht funktioniert
- Für Arbeitnehmer. Nein. Belgien ist auf Arbeit eines der teuersten Länder der Welt, und kein Regime rettet ein durchschnittliches Gehalt.
- Für den, der auf 0 % gehofft hat. Diese Zeit ist vorbei, und Ratgeber, die noch „keine Kursgewinnsteuer in Belgien“ schreiben, sind von vor 2026.
- Für Grenzgänger aus Nordrhein-Westfalen: das Abkommen entscheidet, nicht die belgische Reform, und die Rechnung ist eine andere.
Für wen es aufgeht
Für jemanden, der ein Unternehmen oder ein Wertpapierdepot verkaufen will und aus einem Land mit 26 % bis 34 % kommt. Zehn Prozent bleiben ein guter Satz, und das mitten in Westeuropa, zwei Bahnstunden von Köln.
Vorher gilt aber die deutsche Rechnung: die Wegzugsbesteuerung greift auf Anteile ab 1 % und, seit 2025, auf Fondsanteile ab 500.000 Euro Anschaffungskosten. Ein Verkauf nach dem Wegzug ist nicht dasselbe wie ein Wegzug nach dem Verkauf, und die Reihenfolge kostet oder spart die größte Zahl des ganzen Vorhabens.
Wer denselben Verkauf noch günstiger stellen will, vergleicht mit Zypern und Malta, wo ausländische Kursgewinne nach der jeweiligen Regel gar nicht besteuert werden.
Quellen
Belgischer Föderaler Öffentlicher Dienst Finanzen für die Abgabe auf Kursgewinne, PwC Tax Summaries für die Sätze und die Sozialabgaben, Paragrafen 2 und 6 Außensteuergesetz für die deutsche Seite.
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